Samstag, 24. Februar 2018

In heaven No. 280 - sibirische Kälte

Nein Leute, das ist nicht mein Wetter. Für die kommenden Tage wurden für meine Region Temperaturen bis zu minus 13°C vorausgesagt, da ist für mich schon lange Schluss mit lustig. Bereits seit Mitte September friere ich jetzt schon und habe wahrscheinlich vor lauter Zusammenziehen aller Muskeln inzwischen Superkräfte. Also theoretisch. Gänsehaut ist zumindest mein Dauerkleid und seit Tagen drücke ich mich ums Einkaufen, weil ich dafür die geheizte Wohnung verlassen müsste - was mir angesichts der Außentemperaturen unmöglich erscheint, ohne auf der Stelle zu erfrieren. Wer auch immer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, dass gewichtige Menschen viel schwitzen und aufgrund der Speckschicht nicht so schnell zu frieren, war ein verdammter Lügner. So ist das nämlich. Und jetzt schleicht sich also der sibirische Winter aus dem tiefen Osten zu uns nach Mitteleuropa. Russland, behalt gefälligst dein Sibirien, ich will es nicht - egal wie hübsch der Raureif auch aussieht.



Womöglich friere ich aber auch innerlich und auch das hat nicht unwesentlich mit Russland zu tun.

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. Manchmal sind es nur die Bilder, manchmal aber auch Gedanken, die mich die Woche über beschäftigt haben. Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und seine Worte hier zu verlinken.
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Mittwoch, 21. Februar 2018

Muttersprache.

Würde man euch fragen, was eure Muttersprache ist, dann könntet ihr diese Frage wahrscheinlich sofort beantworten. "Muttersprache", das ist für alle Menschen, deren Mütter, deren Eltern und Großeltern Deutsche sind oder waren, die deutsche Sprache. Gibt es dafür eigentlich einen adäquaten Begriff in anderen Sprachen? "Native language", also in etwa "die angeborene Sprache" nennt man es zwar in englischsprachigen Ländern, in spanisch sprechenden jedoch ebenfalls "idioma materno", oder
"madrelingua" auf Italienisch, "langue maternelle" auf Französisch.
Fast auf der ganzen Welt wird die Sprache, die man als erstes im Leben lernt, mit der man aufwächst, "Muttersprache" genannt. Aus gutem Grund natürlich, sind es doch in der Regel weltweit auch immer noch meistens die Mütter, die sich um Babys und Kleinkinder kümmern und die ihre Sprache an ihre Kinder weitergeben - unsere Muttersprache, in der wir denken, träumen und in der wir unsere Eindrücke, Stimmungen und Gefühle am besten in Worte fassen können.



Fragt man Menschen in anderen Ländern, was für sie "typisch deutsch" ist, dann wird oft angeführt, Deutsche seien überpünktlich, pflichtbewusst, diszipliniert, ordentlich, bodenständig, schwermütig und etwas humorlos. In Bezug auf die deutsche Sprache wird von Menschen aus anderen Ländern oft angeführt, sie klinge hart, brutal, rauh, kühl und sei sehr schwer zu lernen.
Klingt alles nicht wirklich so richtig sexy, nicht wahr?
Als Muttersprachler wird man das aber wohl nur selten so empfinden, ist die Sprache, die man von klein auf lernt, doch das Selbstverständlichste überhaupt und auch etwas, in dem man sich tagtäglich bewegt und in dem man sich wohlfühlt, weil man sich darin am besten ausdrücken, seine Gedanken und Gefühle damit am besten in Worte fassen kann.
Für mich ist das so. Ich empfinde die deutsche Sprache nicht als hart, sondern als ein Stück Geborgenheit, Zuhause und Heimat, weil es meien Muttersprache ist und weil ich mich in ihr ohne groß darüber nachdenken zu müssen, mitteilen kann - in allen Nuancen, Stimmungen und Anliegen.




Außerdem gibt es in unserer Sprache wunderschöne Wörter, für die es in vielen anderen Sprachen überhaupt keine Entsprechung gibt - vielleicht, weil die dahinterstehenden Gefühle oder Gedankengänge, die sie beschreiben, ja auch typisch deutsch sind? Vielleicht ist unsere Muttersprache nicht besonders hip oder melodiös, aber ich weiß, dass sie Worte hat, um das was ich sehe und in meiner melancholischen, deutschen Seele empfinde, auch richtig auszudrücken ... was ich in keiner anderen Sprache der Welt so angemessen beschreiben und gleichzeitig fühlen könnte. Meine Muttersprache ist für mich ein Strument, auf dem ich spielen kann - und dafür bin ich dankbar.






Von den 6.000 Muttersprachen, die weltweit gesprochen werden, sind nach Einschätzung der Unesco ungefähr die Hälfte vom Aussterben bedroht. Was für ein Verlust an Tradition, an schönen Worten und an Seelenausdrucksmöglichkeiten. Die Muttersprache ist ein Kulturgut von großem Wert und ich hoffe, wir alle können dazu beitragen, unsere Muttersprachen zu bewahren, indem wir sie sprechen und ausgiebig nutzen, um uns auszudrücken, uns zu verständigen und sie so am Leben zu erhalten.

21. Februar 2018 - Internationaler Tag der Muttersprache.

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Samstag, 17. Februar 2018

In heaven No. 279 - Die Gedanken sind frei

Also sowas. Da schicke ich den schönsten Vorfrühlingshimmel auf den Weg in den Äther und dann rutscht der am Morgen einfach auf eisglatten Datenautobahnen in den Straßengraben und muss auf Hilfe warten ... wenn die denn endlich mal ausgeschlafen hat. Dabei wollte ich heute Morgen doch die Menschen im Süden Deutschlands mit etwas blauem Himmel, der bereits den Frühling ahnen lässt, vom vorhergesagten Spätwintereinbruch mit Schneechaos ablenken. Gab es das jetzt eigentlich irgendwo wirklich? Hier fiel mal wieder keine einzige Flocke - also echt jetzt. Dabei konnte ich den Schlitten diesen Winter noch kein einziges Mal zum Einsatz bringen und hoffte auf auf eine dick verschneite Stadt, wenn ich nur lange genug schlafe. Das mit dem "lange Schlafen" hat eindeutig funktioniert, nur das mit dem Schnee und dem Schlittenfahren nicht. Doch wie banal ist dieser entgangene Spaß doch im Vergleich zu dem, was vielen Menschen in anderen Teilen der Welt entgeht.


Willkommen zurück an den Frühling in Deutschland und willkommen zurück in Deutschland, Deniz Yücel. Ich hoffe auf noch mehr Druck der europäischen Staaten auf den türkischen Despoten, um weitere der über 150 Journalisten aus türkischen Gefängnissen zu holen, wo sie nur wegen der Ausübung ihres Berufes seit vielen Monaten ohne Anklage gefangengehalten werden, genauso wie zehntausende andere Menschen, die dort aufgrund ihrer oppositionellen Haltung zu Erdogan seit 2016 inhaftiert sind.
Die türkische Staatsanwaltschaft fordert trotz vorläufiger Entlassung 18 Jahre Haft für Deniz Yücel, weil er das gemacht hat, was Journalisten tun - recherchieren und berichten. Am Tag seiner Haftentlassung wurden die sechs türkischen Journalisten Ahmet Altan, Mehmet Altan, Nazli Ilicak, Yakup Simsek, Fevzi Yazici und Sükrü Tugrul Özesengül aufgrund ihrer journalistischen Arbeit für die oppositionellen Zeitungen Taraf und Zaman zu lebenslanger Haft verurteilt.
Wer weiterhin Geld in dieses Land trägt, unterstützt die staatliche Unterdrückung von Meinungs- und Pressefreiheit, sowie Willkür und Gewalt gegen Andersdenkende und sollte sich dessen bewusst sein. 

Die Gedanken sind frei.

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. Manchmal sind es nur die Bilder, manchmal aber auch Gedanken, die mich die Woche über beschäftigt haben. Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und seine Worte hier zu verlinken.
Tags: Himmel, in heaven, sky watch, Wolken, Winter, Vorfrühling, Türkei, Deniz Yücel, Willkürherrschaft, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Demokratie

Mittwoch, 14. Februar 2018

Die Weidenkätzchen.

Kätzchen, ihr, der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt. 




»Wollen’s gern dir sagen:
Wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum;
haben winterüber
drin geschlafen, Lieber,
in tieftiefem Traum.« 




In dem dürren Baume
in tieftiefem Traume
habt geschlafen ihr?
In dem Holz, dem harten,
war, ihr weichen, zarten,
euer Nachtquartier?





»Mußt dich recht besinnen:
Was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blühn von Samt und Seide
hell im Sonnenlicht. 




Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen läßt.«



Kätzchen, ihr, der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
ja, nun weiß, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt!


(Christian Morgenstern)*


* Gedicht "Die Weidenkätzchen" aus "Klein Irmchen", entstanden ca. 1910
Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe, Bd. 3. Hg. Maurice Cureau. Stuttgart: Urachhaus 1990, S. 430-431
Quelle: Wikisource


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Weidenkätzchen: Geschenk einer netten Kundin
Glasballon, Apothekerglas, Einmachglas, Zigarrenkisten, Wäschekorb: Flohmarkt & Gebrauchtwarenkaufhaus
Holztruhe, Stuhl: Sperrmüllfunde
Holzschale: Drechslerei, Bayerischer Wald
Sofa, Stehleuchte, Regale: älter, Schwedenkaufhaus
Sofabezug aus Leinen: Bemz
Kissen: DIY

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Samstag, 10. Februar 2018

In heaven No. 278 - Eisiges Klirren

Wenn der Winter sein Köfferchen schon gepackt und sich vermeintlich auf den Weg gemacht hatte, um langsam dem Frühling Platz einzuräumen, und es sich dann aber doch nochmal anders überlegt und mit einem klirrenden "Denen zeig ich nochmal so richtig, was ich kann" zurückkommt, dann ist das so absolut gar nicht nach meinem Geschmack. Meine Migräne reicht einen angepissten 10-seitigen Beschwerdebrief ein, Hände und Füsse beschließen in sofortige Kältestarre zu verfallen und auch mein restlicher Körper schaltet in den Mimimi-Modus. Ich wurde definitiv nicht für frostige Zeiten konstruiert. Kälte und Eis schaue ich mir also gerne von drin aus an, während ich in drei Decken gehüllt bin und meinen Hintern an die Heizung halte. Ganz, ganz selten mache ich aber auch eine Ausnahme, stülpe mir wie die kleine Hexe sechs Schichten Kleider über und stapfe durch die Kälte - aus ästhetischen Gründen, nur um mir die eisige Schönheit nicht entgehen zu lassen.

















Februar-Eisnadeln auf dem Feldberg im Taunus. Nicht dieser Februar.


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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. Manchmal sind es nur die Bilder, manchmal aber auch Gedanken, die mich die Woche über beschäftigt haben. Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und seine Worte hier zu verlinken.

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Samstag, 3. Februar 2018

In heaven No. 277 - La-Le-Lu


La-le-lu
nur der Mann im Mond schaut zu
wenn die kleinen Babies schlafen
drum schlaf' auch du

La-le-lu
vor dem Bettchen steh'n zwei Schuh'
die sind genauso müde geh'n jetzt zur Ruh'
dann kommt auch der Sandmann
leis' tritt er ins Haus
sucht aus seinen Träumen
dir den schönsten aus

La-le-lu
nur der Mann im Mond schaut zu
wenn die kleinen Babies schlafen
drum schlaf' auch du

(Heino Gaze, 1950)


Der Nochnichtganzvollmond am Dienstag.
Fünf Jahre lang jeden Abend La-Le-Lu. Lang ist es her.

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. Manchmal sind es nur die Bilder, manchmal aber auch Gedanken, die mich die Woche über beschäftigt haben. Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und seine Worte hier zu verlinken.

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Freitag, 2. Februar 2018

Januartisch - die vierköpfige Blüten-Hydra

Dass der Ritterstern meine absolut allerliebste Lieblingsblume ist, habe ich ja bei diversen anderen Gelegenheiten schon ausführlich breitgetreten. Wie so viele Vorlieben und Abneigungen in meinem Leben, ist auch diese Vorliebe extrem treu. Ich mag ihn und mag ihn und mag ihn. Dieses Exemplar hier mag ich besonders, denn es scheint die Hydra unter den Rittersternen zu sein - kaum ist ein Kopf verblüht, wachsem ihm zwei neue. Und da man mit der Hydra am besten auskommt, indem man sie in Ruhe lässt, mache ich das einfach genauso und genieße den Anblick von inzwischen sechzehn Blütenköpfen an vier Stielen. Okay, fünfzehn - denn ein Kopf fiel leider dem unvermeidlichen Anbinden zum Opfer, damit diese kopflastige Amaryllis-Schöne nicht umkippt.





Und was hat es nun mit diesem seltsamen Stein auf sich, fragt ihr euch jetzt sicher nicht. Egal, ich erzähle es euch trotzdem. Irgendwann im letzten Jahr waren wir in der Fränkischen Schweiz unterwegs und entlang eines Hohlweges fanden sich sehr viele Versteinerungen im Kalksteinschotter. Irgendwann zog ich diesen Stein aus dem Dreck und zeigte meinen Fund aufgeregt und begeistert herum. Ob das wohl eine tolle, versteinerte Seegurke sein könnte? Oder ein Miniatur-Hinkelstein? Den wollte ich auf jeden Fall mitnehmen. Daraufhin mein Sohn ganz trocken: "Oh ja, genau, nimm ihn mit. Ich seh euch beide schon richtig vor mir, wie ihr abends gemeinsam am Tisch sitzt und tiefschürfende Gespräche führt. Reg dich wieder ab Mama, das ist nur ein Stein."




Männer können ja so schrecklich unpoetisch sein, auch wenn sie noch nicht ganz trocken hinter den Ohren sind. Auf jeden Fall wohnt Herr Stein seitdem bei uns und im Januar bekam er sogar einen ganz besonders prominenten Platz neben der blumigen Hydra auf dem Tisch. Auf die tiefschürfenden Gespräche warte ich allerdings immer noch ...


Meine Monatstische aus den vergangenen Jahren findet ihr alle  > hier.
Noch mehr Amaryllis in allen Farben > dort.

Verlinkt mit: 12tel-Blick bei Tabea

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