Donnerstag, 1. Dezember 2016

Winterwald innen.

Ob wir dieses Jahr wohl endlich mal wieder eine weiße Weihnacht bekommen werden? So richtig mit dick verschneiten Tannen, knirschendem Schnee unter den Stiefeln, leise fallenden Flocken und Schneespaziergang vor der Bescherung? Seit ich denken kann, steht dieser Wunsch jedes Jahr ganz oben auf meinem Weihnachtswunschzettel (direkt nach der Sache mit dem Weltfrieden). Leider kann ich mich nur an sehr wenige Weihnachtsfeste erinnern, zu denen dieser Wunsch tatsächlich erfüllt wurde. In unseren Breiten ist dauerhafter Schnee eine Seltenheit und in den letzten Jahren war es noch dazu an Weihnachten ganz unwinterlich warm. Zwar leben wir grade in einer Zeit, in der Wünschen und Hoffen eine frustrierende Aufgabe ist, aber trotzdem halte ich an beidem fest, weil die Menschen ohne Wünschen und Hoffen in der Menschheitsgeschichte gar nichts bewegt hätten - auch wenn es in diesem Fall nur der kleine Wunsch auf eine weiße Weihnacht ist. Bis dahin begnügen wir uns mit den verschneiten Bäumen auf dem Adventskranz und unserem kleinen Winterwald im Wohnzimmer, der uns zumindest an den Schnee erinnert, den wir in diesem Jahr bereits gesehen haben.




Mehr Winterweihnachtliches gibt es > hier

Tannenbäumchen: Depot 
Holzschale und Zigarrenkisten: Gebrauchtwarenhof
Elisen-Lebkuchen: heimische Backstube
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Dienstag, 29. November 2016

Schneeflocke, komm und hocke.

Eigentlich besingt das schöne Winter-Kinderlied ja die lieblichen Schneeflöckchen, die zart dahergeschneit kommen und sich sanft ans Fenster setzen. Mein Schneeflöckchen ist weder lieblich noch zart, noch flöckchenlike, es ist eine... dicke Schneeflocke. Und die schwebt nirgends leise, sanft und mit weißem Röckchen darnieder, sondern sie... hockt. Schließlich sollten auch Schneeflocken zum Besitzer passen und da ist eine hockende, dicke Flocke deutlich angebrachter als ein schwebendes Flöckchen. Also: Schneeflocke, komm und hocke.



Da ich die Angst vor der nächsten Hungersnot ebenso geerbt habe wie die vor dem womöglich drohenden materiellen Notstand und demzufolge ein Hort- und Hamster-Gen besitze, habe ich damals für meinen Sonnenspiegel so viele Eissteckerl gekauft, dass ich damit ein ganzes Sonnensystem hätte errichten können. Da ein Sonnenspiegel aber irgendwie doch ausreichend ist, wurde ein Teil der übrigen Eisteckerl jetzt einer deutlich passenderen Bestimmung zugeführt. Eis... kalt... Frost... Schnee... Schneeflocke. Klar, ne.
Das Beste: Nur zwei Zutaten braucht es für die dicke Schneeflocke, die da breit unter der Sonne hockt und das Schlafzimmer in ein Winterschlafzimmer umwandelt. Kommt mir sehr gelegen.

Benötigt werden:
  • 16 größere Eissteckerl
  • 32 kleinere Eissteckerl
  • Heißklebepistole + 1 Klebestick

So ist es gemacht:

Klebepistole anheizen. 8 große Eissteckerl an einem ihrer Endpunkte fächerartig übereinanderkleben, dabei auf gleiche Abstände/Winkel von 45° achten. Mit den 8 anderen, größeren Eissteckerl die 8 Arme verlängern, indem wieder die Enden übereinanderklebt werden.
Jetzt an jede dieser Verlängerungen rechts und links federartig je zwei dünne Eissteckerl im 45°-Winkel ankleben, die Enden jeweils übereinanderkleben. 

Nun nur noch die dicke Flocke irgendwo hinhocken ... und fertig.



Schneeflöckchen, Weißröckchen,
wann kommst du geschneit,
du wohnst in den Wolken,
dein Weg ist so weit.

Komm setz dich ans Fenster,
du lieblicher Stern,
malst Blumen und Blätter,
wir haben dich gern.

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Creadienstag

Sonntag, 27. November 2016

Novembertisch . Der erste Advent

Nun ist es also wieder soweit. Mit dem Anzünden der ersten Kerze am Adventskranz beginnt in unserer Familie offiziell die Weihnachtszeit. Ab diesem Tag frühstücken wir im Licht der Adventskerzen und auch am Abend erleuchten Kerzen das Wohnzimmer. Dass ich den melancholischen November als Monat eigentlich ganz gerne mag, das habe ich ja schon verraten. Und den ersten Adventssonntag im November, den mag ich ganz besonders. Am Vorabend wird die Wohnung kräftig geräuchert und durchgelüftet, am Sonntag unbedingt aucsgeschlafen und dann beim gemeinsamen Frühstück die erste Kerze am Adventskranz entzündet. Ich glaube, dass Menschen solche Rituale brauchen, weil sie ein Stückchen Halt geben, sich wärmend und beschützend anfühlen. Vielleicht ist mir deshalb auch gerade dieses Jahr diese Zeit so wichtig. Woher die diesjährige Inspiration für unseren Adventskranz kommt, erkennt Ihr sicherlich sofort, wenn ihr öfter bei mir auf dem Blog zu Gast seid. Der Allgäuer Novemberschnee lieferte die Vorlage für unseren diesjährigen Tischschmuck im Advent.



Benötigt wird:
  • eine alte Gugelhupfform (Trödel, Gebrauchtwarenhof, Omma)
  • 2 Pakete Steckmoos (Gartencenter, Bastelladen)
  • 2 Stacheldrahtpflanzen - Calocephalus brownii (Gartencenter)
  • 4 Tafelkerzen
  • goldene Zahlenaufkleber (Schreibwarenladen)
  • Miniatur-Tannenbäumchen (Dekoladen, Modelleisenbahnladen)

So ist es gemacht:

Während ich mir vor drei Jahren noch einen Wolf suchte, nachdem ich mir in den Kopf gesetzt hatte, eine Winterdeko mit Modellbahn-Tannenbäumchen zu gestalten, fällt das dieses Jahr mehr als leicht. Was ich damals nur in der Modellbahnapotheke für schmerzhaft viel Geld erwerben konnte, überschwemmt dieses Jahr jeden Deko- und Bastelladen für ein paar Cent. 
Die Basis des Adventsgestecks bildet eine alte, emaillierte Gugelhupfform, die an Ostern vor dreieinhalb Jahren bei mir eingezogen ist. Gefüllt habe ich Form mit zurechtgeschnittenem Steckmoos. Nasser Sand würde vermutlich auch seinen Zweck erfüllen, aber da kam ich erst drauf, als ich das Steckmoos schon gekauft hatte. Mit einem Apfelkernhausausstecher habe ich die Löcher für die Kerzen ausgestochen und mit einem Messer herausgepopelt. Die Zweige der Stacheldrahtpflanze wurden direkt über der Erde abgeschnitten und in das feuchte Steckmoos hineingesteckt. Dann noch die Zahlen auf die Kerzen aufkleben und diese in die vorbereiteten Löcher stecken. Die Tannenbäumchen mit dem Fuß in den Stacheldrahtzweigen verstauen und schon ist der Adventskranz à la Allgäuer Novemberschnee fertig.



Bitte nie unbeaufsichtigt brennen lassen - wenn die Kerzen zu weit runterbrennen, gäbe das zusammen mit dem Gestrüpp einen netten Tischbrand im Gugelhupf. Vielleicht findet ihr aber auch steckbare Kerzenhalter mit einem Schaft aus Metall in Tischkerzengröße - ich habe leider erfolglos vorort gesucht. Also wird hier eben aufgepasst.

Gugelhupf: Gebrauchtwarenhof
Steckmoos und Stacheldrahtpflanzen: Gartencenter
Zahlenaufkleber: Schreibwarenladen
Tannenbäumchen und Kerzen: Depot


Monatstische 2016

Oktober ° November 


Meine anderen Monatstische findet ihr alle > hier.


verlinkt mit:  
12tel-Blick bei Tabea
Creadienstag
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Samstag, 26. November 2016

In heaven No. 241 - Novemberdämmerung

Nach dem gestrigen Tag fällt es schwer, wieder zur Tagesordnung überzugehen. Aber nichtsdestotrotz geht auch heute die Sonne wieder auf, so, wie sie das immer tut. Selbst hier in der Stadt, wo man den Himmel immer nur in kleinen Ausschnitten zwischen den Häuserfluchten der Gründerzeitaltbauten sieht, gibt er sich Mühe, nicht völlig unterzugehen. "Ich bin noch da!" scheint er besonders morgens und abends laut zu rufen, damit man ihn über all dem Stadtgrau, dem Alltag und den Sorgen nicht vergisst.



Der novemberliche Morgenhimmel über Blumenstraße und Mathildenstraße in Fürth.


Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Freitag, 25. November 2016

Ein Jahr.

Heute vor einem Jahr ist meine Mama gestorben. Ich würde gerne schreiben können, dass sie heute vor einem Jahr "für immer eingeschlafen" ist, aber das bringe ich nicht über mich. Sie ist nicht einfach friedlich eingeschlafen, sie hat siebenunddreißig Tage lang um ihr Leben gekämpft, bevor sie den Kampf verlor. Gestern vor einem Jahr wurde der Mensch, der ihren Tod verursachte, indem er im Drogenrausch frontal in den Gegenverkehr fuhr, aus dem Krankenhaus entlassen. Er hat überlebt.
Bei der Gerichtsverhandlung sagte er nach ausführlicher Schilderung seines durch langjährige Drogensucht verpfuschten Lebens, dass bei diesem Unfall der falsche Mensch gestorben sei... aber irgendetwas müsse sich Gott ja dabei gedacht haben, als er meine Mutter sterben ließ, während er selbst überlebt hätte. Gott hätte wohl noch etwas mit ihm vor. Ich dachte in diesem Moment, dass das Vorhaben hoffentlich wäre, ihn direkt in die Hölle zu befördern, für den Rest seines Lebens. Aber vermutlich ist er da ja bereits seit vielen Jahren. In seiner persönlichen Hölle.

© Melanie Garanin * hundertneunundfünfzig kerzen * 2015 * nr. 10 * "Katze liegt"

In den siebenunddreißig Tagen, die ich auf der Intensivstation am Bett meiner Mama verbracht habe, habe ich sehr viel vom Alltag der Ärzte und Pflegekräfte mitbekommen. Die Pflegekräfte arbeiten im zehrenden Schichtdienst, oft in Doppelschichten, weil immer wieder so viele Kollegen durch Krankheit ausfallen oder kündigen, weil sie die Belastung nicht mehr aushalten - die körperliche und auch die seelische, bedingt durch den Schmerz und das Leid, mit dem sie immer umgeben sind, aber auch durch die drückende Verantwortung im Intensivbereich... verbunden mit einer lächerlich geringen Bezahlung. Ein falscher Knopf gedrückt, eine Dosierung falsch eingestellt kann in Sekundenschnelle den Tod eines Menschen verursachen. 
Das hinterlässt Spuren. Es laugt aus, überfordert oder stumpft ab. Die Ärzte und Pflegekräfte verlieren die Sensibilität für die Würde des Menschen - sowohl die der Patienten, als auch die der traumatisierten Angehörigen. Meine Schwester und ich fanden uns mehrmals in Diskussionen mit unsensiblen, unhöflichen Pflegekräften wieder, die dann zugaben, einfach total überarbeitet zu sein und auch frustriert, weil keine Aussicht auf Änderung besteht und sie immer nur von einem Patienten zu anderen hetzen müssen, um ihre Aufgaben abzuarbeiten, wobei die anwesenden Angehörigen dann einfach nur noch als Störfaktor empfunden werden. Sich Gedanken zu machen über die Ängste oder Intimsphäre der Patienten oder die Ängste, Fragen und Trauer der Angehörigen, dafür bleibt keine Zeit und kein Kopf.
Warum dann nicht einfach mehr Pflegekräfte eingestellt werden? Unter der Hand wurde uns gesagt, dass die große seelische und körperliche Belastung zusammen mit der riesigen Verantwortung, den Arbeitszeiten und der grottenschlechten Bezahlung dazu führen würden, dass die wenigsten Intensivpflegekräfte lange in diesem Beruf bleiben würden und es keinen Nachwuchs gibt - niemand will diesen Job noch machen. Sie finden einfach zu den vom Krankenhaus angebotenen Konditionen keine Pflegekräfte mehr.

Mein Papa starb 2013 im selben Krankenhaus noch viel weniger friedlich als meine Mama. Er hatte keine Chance, mit Würde zu gehen, weil kein Facharzt sich die Zeit nahm oder hatte, die angeblich nicht dramatische Nebenwirkung der Chemo zu verifizieren. Ein CT war angeordnet, wurde aber drei Tage lang immer wieder verschoben, weil er nicht als Notfall galt und der Arzt deshalb immer wieder andere Patienten vorzog. Er lag zusammen mit mindestens fünf weiteren Patienten drei Tage lang auf dem Flur zwischen Essenswagen und Bettpfannen, weil die Station völlig überfüllt und kein Zimmer frei war. Drei Tage, in der sich keine Pflegekraft und kein Arzt darüm kümmerten, ob er die nur wortlos hingestellten Medikamente auch richtig einnahm, etwas trank oder ob er ausreichend Luft bekam. Pflegepersonal und Ärzte waren überlastet, dauergestresst und genervt wegen krankheitsbedingten Ausfällen und zu vielen Patienten gleichzeitig. Kürzungen am Personalbudget, niemand will den Job für das Geld machen, sagte die junge Assistenzärztin, die uns nach einer 36-Stunden-Schicht versicherte, wir müssten uns keine Sorgen machen. 
Wir wechselten uns schließlich zu den Medikamentenzeiten an seinem Bett ab und überwachten die Einnahme selbst, suchten ständig zur vereinbarten Zeit nach dem Arzt, der uns informieren wollte, aber dann nicht auftauchte, um uns zu sagen, was eigentlich genau die Ursache für die Symptome und wie ernst das sei. Wir baten immer wieder um die Durchführung des angekündigten CTs zur Abklärung. Schulterzucken. Sie könnten auch nichts machen, wenn der Arzt einfach nicht auftauchen würde.
In der folgenden Nacht drohte mein Vater zu ersticken und musste ins künstliche Koma versetzt werden. Jetzt wurde das CT gemacht, dem wir drei Tage lang hinterhergelaufen waren. Am Nachmittag war mein Papa tot.
Im Frühjahr 2014 rühmte sich das Klinikum mit dem im Geschäftsjahr 2013 erwirtschafteten Rekordgewinn von 1,8 Millionen Euro.

© Melanie Garanin * hundertneunundfünfzig kerzen * 2015 * nr. 29 * "Ida im Ballon"

Dreieinhalb Jahre sind jetzt seit dem würdelosen Tod meines Vaters vergangen. Ein Jahr seit dem Tod meiner Mutter. Hundertfünfundfünfzig Tage seit der Gerichtsverhandlung gegen den Unfallverursacher. Jeden Tag hoffe ich, dass meine Wut weniger wird durch den Umstand, dass er jetzt im Gefängnis sitzt und seine persönliche Hölle immer dabei hat. Aber sie wird nicht wirklich weniger, denn ein würdeloser oder ungerechter Tod hinterlässt bei den Angehörigen eine ganz eigene Hölle, die einfach weiterbrennt, ob man möchte oder nicht. Vor allem, wenn sich an den Umständen, die zum Tod eines geliebten Menschen geführt haben, seitdem nichts geändert hat und sein Tod deshalb auch noch "umsonst" scheint, weil es weiterhin anderen Menschen genauso ergehen wird.
Der Unfallfahrer wird in einem Jahr aus dem Gefängnis entlassen, in eineinhalb Jahren wird er seinen Führerschein zurückbekommen und dann womöglich weitere Menschen im Drogenrausch töten.
An der Situation im Krankenhaus hat sich nichts geändert. Die Flure sind voll, Ärzte und Pflegekräfte überfordert, ausgelaugt und unterbezahlt und das Krankenhaus rühmt sich weiterhin Jahr für Jahr seines wirtschaftlichen Gewinns. Ein Schlag ins Gesicht für die Angestellten, für die Patienten, für die Angehörigen und Hinterbliebenen.

Vierzehn Tage ist es her, dass Melanie über die Hintergründe des vermeidbaren Todes ihres dreijährigen Sohnes Nils in der Berliner Charité berichtete. Sie kämpft jetzt zusammen mit anderen Eltern für ihn und für all die Kinder, die nach ihm dort während einer Chemotherapie um ihr Leben ringen, damit sein Tod wenigstens nicht völlig umsonst war.
Endlich öffentlich anzuprangern, was in unseren Krankenhäusern passiert, seidem der wirtschaftliche Gewinn dort vor den hippokratischen Eid gestellt wurde und offenzulegen, welch schreckliche menschliche Folgen das hat und wie viele Menschenleben es kostet, erfordert viel Kraft und Mut. Kraft, die man nach dem Verlust eines geliebten Menschen eigentlich am allerwenigsten hat. Mut, weil man sich einem mächtigen System des Schweigens entgegenstellt, in dem eine Krähe der anderen kein Augen aushackt, weil es um Renommee und um sehr viel Geld geht. Ein gutes Stück Wut braucht es auch, um die notwendige Kraft aufzubringen, diesen Kampf aufzunehmen.
Es fällt niemandem leicht, über die Umstände des Verlustes eines geliebtes Menschen öffentlich zu sprechen, weil es entsetzlich schmerzt - wieviel mehr noch, wenn es das eigene Kind ist. Deshalb haben Melanie und alle anderen Eltern, die sich hier engagieren, meinen allergrößten Respekt. Ich wünsche mir sehr, dass möglichst viele Menschen den Artikel lesen und selbst nicht schweigen, wenn sie Ähnliches erlebt haben. Ich wünsche mir, dass sie laut sind und öffentlich, damit das Problem des Personalmangels aus Spargründen in unseren Krankenhäusern auf dem Rücken der Patienten und der verbliebenen Ärzte und Pflegekräfte endlich aufhört und Menschen zu helfen und sie zu heilen in Krankenhäusern wieder oberste Priorität hat - und nicht die Gewinnbilanz.


Danke Melanie, für unser persönliches Kerzen-Erinnerungstier.
Krankenhausnotstand, Pflegekräftemangel, Ärztemangel, Sparprogramm zu Lasten der Patienten und medizinischen Qualität.

Donnerstag, 24. November 2016

Ruinös.

Viele Menschen können den November nicht leiden. Sie nennen ihn schmuddelig, grau, depressiv und sind froh, wenn er endlich, endlich vorbei ist. Ich glaube, dazu habe ich früher auch einmal gehört, aber je älter ich werde, desto mehr schätze ich den November. Als Bindeglied und gleichzeitig Übergang zwischen dem leuchtenden Herbst und dem Advent, der Weihnachtszeit und dem Winter. Zwar ist die Kombination kalt & nass auch nicht wirklich mein liebstes Wetter um draußen, aber dafür, um entspannt und ungetrieben drin zu sein. Heizung aufdrehen, dicke Socken an, Decke, Buch, ein guter Film, Couch, Zusammenrücken, Rumschildkröteln... ohne schlechtes Gewissen. Offensichtlich bin ich damit auch gar nicht alleine, obwohl natürlich auch der November manchmal durchaus noch ausreichend Licht zur Verfügung stellt, um sich draußen rumzutreiben. So auch Anfang November, als die transatlantische, politische Novemberdepression noch nicht in Sicht war und wir die paar Tage Herbstferien dazu genutzt haben, um über Berge und Ruinen vom Herbstlaub in den Novemberschnee hineinzuwandern. An diesem Tag starteten wir erst am frühen Nachmittag bei leichtem Regen in Zell zwischen Pfronten und Hopferau mit dem festen Vorsatz, uns den schönen Spätherbsttagesausklang im Allgäu auf dem Weg zu den Ruinen Eisenberg und Hohenfreyberg zu erwandern...

Ruine Hohenfreyberg

Am offiziellen Parkplatz der Burgruinen in Zell fuhren wir vorbei und in einem Bogen nach rechts noch ein gutes Stück weiter Richtung Schweinegg bis zu einem Holzplatz im Wald. Dort tauschten wir Auto gegen Wanderschuhe und erklommen auf stetig ansteigenden, bequemen Waldwegen durch Fichten- und Mischwald den "Isenberch", begleitet von traumhaft schönen Ausblicken auf Zell, den Herbstwald und die Allgäuer Berge. 





Nach ungefähr 40 Minuten gabelte sich der Weg und wir mussten uns entscheiden, ob wir zuerst rechter Hand zur Ruine Eisenberg oder zu der von dort aus bereits scheinbar in Greifnähe liegenden Ruine Hohenfreyberg links von uns aufsteigen wollten. Wir entschieden uns für die kleinere von beiden und damit für die Burgruine Eisenberg. 



Das erwies sich als goldrichtige Entscheidung, denn gerade auf dem Aussichtsturm angekommen, riss der Himmel auf und tauchte die dunkle Novemberlandschaft zwischen Berggipfeln und Wiesenweite und die gegenüberliegende Ruine Hohenfreyberg in ein unwirkliches, spätherbstliches Sonnenlicht. Wohl eine Stunde saßen wir auf dem Aussichtsturm und schauten... atmeten... schauten... atmeten...schauten. Reicht manchmal.
Natürlich machten wir aber auch einen Rundgang durch die Ruinen, bewunderten die sich formschlüssig an den gewachsenen Fels schmiegenden, meterdicken Mauerrreste, probierten jede Nische, jeden Sitz im Mauerwerk aus und ließen in unserem Kopf den Film des damaligen Lebens in dieser Burg zu ihrer Blütezeit ablaufen.





Um 1315 wurde die Burg durch die Edelfreien von Hohenegg gegründet. Sie wechselte in den nächsten zweihundert Jahren mehrfach den Besitzer, wurde im Bauernkrieg 1525 beschädigt und zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1646 geräumt und in Brand gesteckt, damit sie nicht den Feinden in die Hände fallen möge. Ein Schicksal, dass sie sowohl mit ihrer Nachbarburg Hohenfreyberg, als auch mit der Festung Rothenberg bei Schnaittach im Nürnberger Land teilt, zu der ich euch erst kürzlich mitgenommen habe und die nur wenig später im verlorenen spanischen Erbfolgekrieg aus den gleichen Gründen aufgegeben und geschleift wurde.

Der Nachmittag begann sich samt der Abendsonne schon langsam zu verabschieden und am Himmel zogen wieder dunklere Wolken auf, als wir uns auf den Weg zurück bergab zur Wegzweigung machten und zur Ruine Hohenfreyberg aufstiegen. Mächtig imposant thront die Ruine des wahrscheinlich letzten Burgneubaus des deutschen Mittelalters auf der zweiten Kuppe des "Isenberch", des Eisenbergs, über dem gleichnamigen Ort und der Nachbarortschaft Zell und blickt ihrerseits nun auf die Burgruine Eisenberg.







Von Friedrich von Freyberg zu Eisenberg, dem ältesten Sohn des Burgherrn der Burg Eisenberg nebenan in den Jahren von 1418 bis 1432 erbaut, wurde sie bereist 1484 von dessen Söhnen aufgrund der enormen Unterhaltskosten und eines fehlenden männlichen Erben an Erzherzog Sigmund von Österreich verkauft. In den nächsten Jahrzehnten wechselte sie wiederum mehrfach den Besitzer, wurde nochmals renoviert, weiter befestigt und vergrößert und hielt im Bauernkrieg 1525 auch erfolgreich stand. Trotzdem ereilte Sie 1646 zum Ende des Dreißigjährigen Krieges das gleiche Schicksal wie die Nachbarburg Eisenberg - sie wurde geschleift und in Brand gesteckt, damit sie nicht intakt dem Feind in die Hände fällt.
Seitdem sind beide Burgen nur noch als Ruinen vorhanden und wurden erst wieder 1995 und zuletzt 2004 durch aufwändige Instandhaltungsmaßnahmen vor dem weiteren Zerfall bewahrt und für Besucher begehbar gemacht.






Ruine Eisenberg

Wir erkundeten die Ruine Hohenfreyberg, bis das Tageslicht fast völlig vergangen war und die letzte Abendsonne sich auf den höchsten Gipfeln hinter der gegenüberliegenden Ruine Eisenberg zum Schlafen legte. Dann mussten wir uns doch ziemlich beeilen, um noch mit dem letzten Licht des Tages durch den Wald zurück zum Auto zu finden - aber zum Glück geht es bergab ja doch immer deutlich schneller als bergauf. :-)

Die normale Gesamtzeit für diese Wanderung kann ich schlecht korrekt angeben, denn wir haben uns sehr lange in den Ruinen aufgehalten. Die reine Gehzeit berauf betrug von unserem Waldparkplatz aus ca. 40 Minuten, bergab 20 Minuten und für den Weg zwischen den Burgen benötigt man ca. 10 - 15 Minuten - je nach Kondition, es geht ziemlich steil bergauf. 

Beide Ruinen sind ganztägig und ganzjährig gegen eine kleine Spende frei zugänglich.
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